Forschungen an der Pfarrkirche St. Stephani Auffindung und am Zisterziensrinnenkloster in Zülpich-Bürvenich

Dienstag, 17.10.2017
18:00 Uhr Vortrag im Casino
Forschungen an der Pfarrkirche St. Stephani Auffindung und am Zisterziensrinnenkloster in Zülpich-Bürvenich

Die 2011 bis 2015 durchgeführte Gesamtinstandsetzung der Pfarrkirche St. Stephani Auffindung hat wichtige Erkenntnisse zur Baugeschichte erbracht. Der heutige Saalbau ist das Ergebnis zahlreicher Umbauten und geprägt von der Zeit als Nonnenkirche der hier ab dem 13. Jahrhundert wirkenden Zisterzienserinnen. Die Spuren im Mauerwerk und Boden erzählen die spannende Geschichte dieses Baus von den Anfängen im Mittelalter bis zur Aufhebung des Klosters Anfang des 19. Jahrhunderts.  

Bürvenich wird erstmals 893 im Güterverzeichnis (Urbar) der Benediktinerabtei Prüm genannt. Ein Hof mit zugehöriger Kapelle, Vorgängerin der heutigen Kirche, ging im Hochmittelalter an die Grafen von Jülich über. Auf deren neu erworbenem Besitz siedelte wohl auf Initiative weiblicher Angehöriger des Jülicher Grafen sich der Zisterzienserinnenkonvent an. Im April 1234 verlieh Graf Wilhelm IV. von Jülich der Äbtissin und dem Konvent das Patronatsrecht über die Pfarrkirche und fügte sein Eigentum vor Ort (Allod) hinzu; dadurch war die Grundausstattung des Klosters gesichert und tiefgreifende Baumaßnahmen wurden möglich.
Heute präsentiert sich die Pfarrkirche St. Stephani Auffindung als langgestreckte Saalkirche mit steiler Apsis und massivem Westturm. Im Zuge der Sanierungsarbeiten entfernte man den schadhaften Außenputz, so dass verborgene Baustrukturen zutage traten, die einen höchst komplexen Kirchenbau erkennen ließen.
Archäologische Untersuchungen im Rahmen der Umbaumaßnahmen haben 2014 die Ergebnisse der Baudenkmalpflege bestätigt und ergänzt.
Ausgangspunkt der Entwicklung waren ein herrschaftlicher romanischer Sandsteinbau (Profanbau) und eine Kapelle mit kleinen Rundbogenfenstern, an die wohl im 12. Jahrhundert mit der Erhebung zur Pfarrkirche ein Westturm angebaut wurde. Der Giebel des Profanbaus hat sich in der Nordwand der heutigen Kirche erhalten. Mit hoher Wahrscheinlichkeit dürfte es sich hierbei um den landesherrlichen (seit 1200 Jülicher) Oberhof gehandelt haben. Mit der Niederlassung der ersten Zisterzienserinnen wurden in der kleinen Kirche eine Nonnenempore und zusätzliche Rundbogenfenster eingebaut. Erst dadurch war es den hier lebenden Schwestern möglich, getrennt von den Laien dem Gottesdienst beizuwohnen.
Die Jülicher Stiftung von 1234 versetzte den Konvent in die Lage, eine großzügige Erweiterung der Klosterkirche durchzuführen. Die Gesamtlänge betrug nun 52,20 m, wobei Pfarr- und Klosterkirche entsprechend den Klausurvorschriften durch eine Quermauer getrennt blieben und sich auch in ihren Proportionen und Bauformen deutlich unterschieden. Es folgten gotische Baumaßnahmen im 14. Jahrhundert sowie Erneuerungen nach einem Brand im 15. Jahrhundert. Im 16. Jahrhundert glich man das Dach der Pfarrkirche an das der Klosterkirche an. Es folgten Instandsetzungen im 17. und 18. Jahrhundert. Die endgültige Aufhebung der Zweiteilung in Pfarr- und Klosterkirche wurde erst nach der Säkularisation 1837 vollzogen.

Referentin: Dr. Kristin Dohmen
Eintritt frei



Sonntag, 24. September 2017 • Kategorie: Termine

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