„Bestimmung: Herrenmensch. NS-Ordensburgen zwischen Faszination und Verbrechen“ – Zur Konzeption der neuen Dauerausstellung auf NS-Ordensburg Vogelsang

Donnerstag, 27. 04.2017, 18:00 Uhr

Vortrag im Casino

Die NS-Ordensburgen waren stets Schulungsstätten wie auch Bühnen der Selbstdarstellung der NSDAP. Zugleich haftete ihnen auch etwas Unfertiges und Überstürztes an: Vieles wirkte improvisiert und von Rastlosigkeit getrieben. Dies gilt erst recht für die Ausbildungsinhalte der Lehrgänge, die permanent geändert und parteiintern kritisiert wurden. Dennoch wurden die Ordensjunker, wie sie sich selbst nannten, der homogen gedachten „Volksgemeinschaft“ als neue Elite der Partei präsentiert, und viele fühlten sich auch so. Sie glaubten, mit ihrer Berufung in die Ordensburgen einen Weg zum sozialen Aufstieg und in eine berufliche Karriere beschritten zu haben. Die Männergesellschaft, in die sie aufgenommen worden waren, verhieß ihnen Sicherheit und Geborgenheit in der Kameradschaft Gleichgesinnter.

Sie wurden als „Herrenmenschen“ angesprochen, doch bleibt zu fragen, ob sie sich auch so sahen, und wie sie handelten. Die ideologische Prägung erfolgte jedenfalls durch Vortragsreihen und Seminare, aber auch durch die körperliche Formung mit militärischem Drill und vielerlei Sport. Vor allem durch das Fach „Rassenlehre“ wurde das Bild der eigenen Überlegenheit und Höherwertigkeit ständig verstärkt. Eine nationalsozialistische Ersatzreligion mit Riten und Praktiken sowie pathetischen Feiern ließ die Ordensjunker glauben, Anteil zu haben an der Schaffung eines „Neuen Menschen“ der Zukunft.

Mit diesem ideologischen Hintergrund zogen die Männer von den Ordensburgen zunächst als Soldaten in den Krieg, der speziell im Osten als rassenideologischer Vernichtungskrieg geführt wurde. In Polen, den baltischen Staaten, Weißrussland und der Ukraine wurden mehrere Hundert von ihnen dann wie moderne Kolonisatoren eingesetzt, und viele von ihnen haben sich dort an nationalsozialistischen Verbrechen beteiligt. Mit den in der Dauerausstellung erschlossenen Quellen können Unterschiede im Handeln und verschiedene Handlungsmöglichkeiten und Entscheidungen von Ordensburgangehörigen nachgezeichnet werden. So können Fragen zu den Handlungsspielräumen und der Verantwortung Einzelner konkret diskutiert werden.

Zum Schluss der Ausstellung bleiben Fragen, die bewusst über die NS-Geschichte hinausgreifen: Wie hätten wir selbst gedacht und gehandelt, wären wir in eine ähnliche Zeit und Aufgabe gestellt worden? Gibt es heute vergleichbare Situationen auf der Welt? Was bedeuten uns Demokratie und Pluralität, Teilhabe und Ausgrenzung in unserer heutigen Gesellschaft?

Referent: Stefan Wunsch



Samstag, 18. März 2017 • Kategorie: Termine

„In Sachen Fisci des Gerichts zu Arloff contra Gertrud Orth aus Weingarten – Die Wahrheit über die sagenumwobene Kindsmörderin“

Donnerstag, 16.03.2017, 18:00 Uhr
Vortrag im Casino

Mit dem Datum vom 11. August 1768 schrieb der Pfarrer Tilman Wieler in das Kirchenbuch der Pfarrei Heilig Kreuz in Weingarten: „Oh weh, welch ein Schmerz! Mein Pfarrkind Gertrud Orths, noch ledigen Standes, ist wegen der Tötung ihres aus Unzucht empfangenen Neugeborenen unter dem Walten der Gerechtigkeit und mit meinem Beistand am Orthholz hingerichtet worden (…).“ Die mündliche Überlieferung über Jahrhunderte hinweg machten aus Gertrud Orth das „Annchen von Kalkar“. In den Sagen und Legenden um die Kindsmörderin wurde sie zu einem reumütigen, schönen, schwarzgelockten, gefallenen Mädchen, das ihr neugeborenes Kind voller Verzweiflung in Arloff in die Erft wirft. Bislang ließen sich die wahren Zusammenhänge nicht aufgedecken. Durch keine Quelle konnte etwas zur Person der Gertrud Orth ermittelt werden, ihr Alter, ihre Familienverhältnisse und auch die Begebenheiten, die zum Mord und seiner Aufdeckung führten, waren unbekannt. Im Sommer 2016 entdeckte Dr. Gabriele Rünger den Prozess gegen die Kindsmörderin, der am Dingstuhl Arloff im kurkölnischen Amt Hardt von Januar bis August 1768 geführt wurde.
Die beiden Referentinnen werden die Fakten über die Kindsmörderin Gertrud Orth erzählen. Dabei steht der strafrechtliche Prozess im Mittelpunkt. Aus ihm lassen sich einerseits Gertruds Schicksal, ihr soziales Umfeld und ihre Motivation zur Tat ablesen, andererseits geben sie Einblick in die Rechtspraxis der Frühen Neuzeit, in der die Folter ein legales Mittel war, ein Schuldgeständnis herbeizuführen.

Referentinnen: Karin Trieschnigg und Dr. Gabriele Rünger



Sonntag, 12. Februar 2017 • Kategorie: Termine

Von „Demokraten und Communisten“ - Die Revolutionsjahre in und um Euskirchen

Donnerstag, 09.02.2017, 18:00 Uhr

Vortrag im Casino


1848 ist auch auf dem Land eine Zeit des Umbruchs gewesen und keine bloße „politische Kannegießerei“. Die wirtschaftliche Not hatte eine Krisenstimmung geschaffen, und die kleinstädtische und dörfliche Gesellschaft politisierte sich. Die Revolution hierzulande wurde zu einer Volksbewegung zwischen Freiheitspathos, anarchischem Aufbruch und Ordnungsbedürfnis. Es wird zu berichten sein über konfliktbereite Unterschichten, die Pfarrer oder Ortsvorsteher angriffen, über die anfängliche Stärke der radikalen „Demokraten“ und ihres Presseorgans (des Euskirchener Intelligenzblatts). Der Blick wird auf die Bürgerwehren (als „Leibgarden der Freiheit“ oder Garanten der Ordnung) gerichtet und die Turnerschaft mit ihren kommunalpolitisch einflussreichen Mitgliedern. Es soll auf dörfliche „Communisten“ hingewiesen werden, die von der Kanzel herab gesucht wurden, sowie auf die Traditionslinien zur Aufklärung und den Cisrhenanen. Das Spektrum der revolutionären Phänomene vor Ort ist überraschend breit und die Bilanz der Jahre 1848/49 lässt
auch zukunftweisende Resultate erkennen.

Referent: Dr. Reinhold Weitz.



Mittwoch, 4. Januar 2017 • Kategorie: Termine